Höhlenforscherin

Heute Morgen sagte ich zu meinem Lieblingsmann: „Ich will nichts lieber, als Höhlenforscherin zu werden.“
Und dass ich darüber nachdenke, all meine Jobs an den Nagel zu hängen um mich voll meiner neuen Leidenschaft widmen zu können.
Seit zwei Tagen kann ich an nicht viel anderes denken und hab meine Schwester gefragt, ob sie mit mir Löcher in die Erde schaufeln kommt bis wir eine Höhle finden. Sie findet es zu gefährlich. Vielleicht hat sie recht. Und doch kann ich mir momentan nichts Schöneres vorstellen, als mich durch enge Gänge zu quetschen, klaustrophobische Schreie von mir zu geben und mir Erdstücke aus den Augen zu klauben.
Doch da das Leben und ich ab und zu Kommunikationsprobleme haben, gab mir heute wie gewünscht Höhlenforscherei. Jedoch eine andere als ich mir vorgestellt hatte.

Nach dem Frühstück bemerkte ich in meinem Zimmer einen fürchterlichen Gestank. Ich holte meinen Mitbewohner, der das Zimmer gebaut hat und er sagte: „Was auch immer in dieser Decke ist, wir müssen es finden!“ Die Höhlenforscherin in mir nickte enthusiastisch verzückt und ein paar Minuten später klaffte ein Loch in meiner Zimmerdecke.
Noch ein paar Minuten später rieselte Mäusekacke auf uns runter.
Endlos viel Mäusekacke.
Doch wir waren nicht zu bremsen. Und fanden eine Höhle in der Isolation! Inzwischen mit Masken und Taschenlampe bewaffnet, folgten wir dem Gang der Höhle. Es wurde immer enger, der Sauerstoff wurde knapper, die Taschenlampe hatte beinahe keinen Akku mehr, doch wir machten weiter. Tiefer und tiefer drangen wir in die noch unerforschte Welt der Deckenisolation ein, bereit dazu, unserer grössten Angst in die Augen zu blicken.
Der Maus.
Mein Herz klopft sich schon wieder beinahe in einen Infarkt wenn ich das alles erzähle.
Ja, so sind wir. Mein Mitbewohner und ich.
Wir sind die unerschrockensten Höhlenforscher von ganz Niederscherli. Keine Gefahr, kein Opfer ist uns zu gross. Wir forschen bis wir die Wahrheit gefunden haben. Weil die Welt die Wahrheit verdient. Und wir unsere Weltverpflichtung sehr ernst nehmen.
Die Maus war nicht zuhause. Jedoch ca. 7 Liter Mäusepisse, ein wunderhübsches Mäusenest gleich daneben und 3078 Mäuseschisse. Ich habe sie natürlich alle einzeln mit Nadeln auf ein Brett gepinnt für die Nachwelt.
Und bin überaus stolz, nun hier meine erste Höhlenforscherinnenweisheit verkünden zu können:
Wenn man Isolation aus der Decke reisst, sollte man eine Brille tragen. Oder nicht unmittelbar unter der Isolation stehen, die man runter reisst.
Meine Augen sind nun gut isoliert. Jedoch wohl auch 2-3 Sehstärken blinder als vorher.
Maulwürfe haben wohl auch mit Isolationshöhlenforscherei begonnen bevor sie sich in die Erde trauten.
Aber ich bin trotzdem glücklich. Weil ich nun weiss: Höhlenexpeditionen können überlebt werden.

Schwester, hilfst du nun Löcher graben?